Im Rückblick auf die vergangenen Wochen kann ich nur sagen, dass die Corona-Krise, so schlimm sie war und immer noch ist, auch Chancen für Neues mit sich bringt. Meine anfänglich präsente Verunsicherung aufgrund der abgesagten Ausstellungen und Messen forderte mich heraus, neue Wege zu gehen – um unsere Lebensgrundlage zu sichern, und um meinen inneren Drang zum Malen zu stillen.

Für mich als Freiluftmaler bedeuteten die Einschränkungen unserer Bewegungsfreiheit: keine Malreisen und kein Malen wie gewohnt, vor Ort unter freiem Himmel, ob im urbanen Raum oder in der Natur, pastos und großformatig in Öl auf Leinwand mit den Händen. So habe ich mich neu orientiert und bin zu einer anderen Maltechnik übergegangen. Zum Aquarell. Ich nahm handgeschöpftes Büttenpapier, griff zu Wasserfarben und Pinsel und begann ohne viel Materialaufwand zu malen. Das Resultat gefiel mir.

Ich fokussierte mich zunächst auf Bildmotive in unseren eigenen vier Wänden. Sobald die Ausgangsbeschränkungen gelockert wurden, ging ich nach draußen und erweiterte den Radius für meine Bildmotive. Das Licht – mein wiederkehrendes Thema – war in den letzten Wochen warm und frühlingshaft. Ich musste die lichten Momente einfangen und sie in Kunst festhalten. Das tägliche Malen verhalf mir dazu.

Das Aquarell schien mir das geeignete Medium für meine innere Verfassung zu sein. Es passte zu dem vorübergehend erforderlichen Rückzug, zu dem Warten auf das, was kommen wird. Die Technik erfordert zudem eine hohe Konzentration, welche eine enorme Ruhe mit sich bringt und sogar eine meditative Wirkung hat.

Auch wenn die Normalität langsam wieder Einzug in unseren Alltag findet, möchte ich mir das tägliche Aquarellieren beibehalten und es neben der Ölmalerei – mit etlichen Farbeimern und großen Leinwänden – auch im Stadtraum, am Meer und in der Natur verstärkt praktizieren.

Christopher Lehmpfuhl im Sommer 2020